Tijdschrift Voor Filosofie 31 (3):471 - 489 (1969)

Abstract
Hegels Philosophie ist die wissenschaftliche Weltanschauung unserer Zeit, so lautet die These, d.h. Ausdruck einer selbst zur Ideologie entarteten Idee von Wissen, in die unser Zeitalter, als das „Zeitalter der Wissenschaft”, alle Hoffnung der Menschheit setzt. Es ist die der klassischen griechischen Philosophie entstammende Idee, daß wahres Wissen, und mithin grundlegend auch für jede erfolgversprechende Praxis, allein rein theoretisches Wissen sei. Dieses Wissen fordert Objektivität, weil es für das einzig Wirkliche das in sich und an sich Bestimmte hält und Wahrheit nur in der Anpassung an das an sich so Seiende erblickt. Die Neuzeit ist das Zeitalter, in dem Philosophie und Wissenschaft diese überkommene Idee einerseits praktisch, andererseits auch selbst erst theoretisch zu verwirklichen unternehmen. Die bald rasch sich aufhäufenden praktischen Erfolge der modernen Wisenschaft sind bekannt. Die Versuche zu einer streng wissenschaftlichen Begründung rein theoretischen Wissens im Sinne der Idee dieses Wissens selbst, welche die Geschichte der Philosophie der Neuzeit von Descartes bis Fichte ausfüllen, führen indessen zu einer unwiderstehlich zunehmenden Einsicht in die Wirklichkeitsfremdheit der Idee rein theoretischen Wissens. Fichte zuerst sah zwischen Wissenim Sinne dieser Idee - und Realität eine unüberwindliche Kluft sich auftun. Angesichts dessen hat sich Hegel, um diese Idee zu retten, auf die verzweifelte Auskunft verlegt, dieses Wissen absolut zu setzen. Damit konnte er jederlei Bedenken, welches sich vom absoluten Standpunkt des Wissens entfernte und auf die Realität verweisen wollte, den Weg verlegen. Die Aufhebung aller Realität im absolut gesetzten Wissen aber, behauptete Hegel, bewahre in Wahrheit das Ganze, welches an ihr allein das Wahre sei. Dies nachzuweisen, diente ihm das Mittel der „Dialektik”, welche auf einer systematischen Verwechslung von notwendigen Möglichkeitsbedingungen und zureichenden Gründen beruht. Indem jedoch Hegel die Idee rein theoretischen Wissens absolut setzte und somit der Forderung entzog, sie ihren eigenen theoretischen Ansprüchen gemäß streng wissenschaftlich zu begründen und zu verwirklichen, machte er das Wissen selbst zum bloßen Glaubensgegenstande einer Weltanschauung. Husserl andererseits teilte zwar diesen Glauben, doch erneuerte er unter der Losung „Philosophie als strenge Wissenschaft” jene Forderung, damit aber jenen seit den Cartesianischen Meditationen eingeleiteten kritischen Prozeß, der nunmehr scheint, das Urteil aufzunötigen: Rein theoretisches Wissen ist selbst nur praktisch zu verwirklichen auf den Boden einer Weltanschauung, welche als solche im Widerspruch steht zu den Forderungen des Wissens selber. Der Versuch einer selbst streng wissenschaftlichen Verwirklichung der Idee rein theoretischen Wissens hingegen, den zuletzt Husserl unternahm, zwang die phänomenologische Philosophie zu einer Umwertung der Idee des Wissens. In Wirklichkeit ist theoretisches Wissen nicht Wissen, sojern und weil es rein theoretisches ist, sondern sofern es das nicht und wiewohl es nur theoretisches ist
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