Tijdschrift Voor Filosofie 25 (3):585 - 604 (1963)

Abstract
Levinas' Heidegger-Kritik, der in seinem Totalité et Infini zweifellos grundlegende Bedeutung zukommt, stürzt zunächst in Verwirrung : der Begriff der Totalität, in dem nach Levinas Heideggers ontologisches Denken befangen bleibt, scheint nur ein solcher für das Sein des Seienden als solchen und im Ganzen zu sein, Levinas' Idee eines diese Totalität transzendierenden „Unendlichen” aber eher Heideggers Gedanken des Seins selbst nahezukommen ; der Unterschied zwischen Totalität und Unendlichem, den Levinas begründet, scheint fast ein Gleiches zu bedeuten wie die „ontologische Differenz” bei Heidegger, hinwiederum aber bleibt für Levinas das Sein offenbar die bloße Totalität des Seienden, indessen es ein Seiendes par excellence, nämlich der Andere ist, das unendlich die Totalität übersteigt, auf die alle Ontologie das Sein des Seienden reduziert. Aber die reduktiven Tendenzen in Heideggers ontologischem Denken, auf die Levinas kritisch hinweist, sind in der Tat unverkennbar ; sie finden ihren schärfsten Ausdruck in Heideggers ausdrücklicher Zurückweisung der Ethik als einer eigenständigen philosophischen Aufgabe. Die zur Debatte stehenden Positionen lassen sich klären im Rückgang auf Husserl : dessen Denken scheint zwiegespalten zwischen der Reduktionsforderung, die hervorgeht aus dem Verlangen nach einem absolut Gegebenen als „adäquat” Gegebenem, und dem Festhalten an der Gegebenheit auch von solchem, was nie adäquat gegeben sein kann, als einer „originären”. Vielleicht trifft es zu, daß Heidegger bei all seiner Kritik am Begriff der Wahrheit als Adäquation doch aufs entschiedenste Husserls Tendenz zum Rückgang auf adäquate Gegebenheit, also die Tendenz der Reduktion vertieft hat, indessen Levinas -nach dem Vorgange von Merleau-Ponty -strenger auf dem eigenen Rechtsgrund des inadäquat Gegebenen als eines Ursprünglichen besteht. Hier geht es vor allem um die „Gegebenheit” des Anderen, die nach Levinas in primärer und originärer Weise ein moralisches Verhalten fordert -auch und gerade schon da, wo es sich „zunächst” um die „bloße Erkenntnis” des Anderen handelt. So ist es schließlich Levinas' Idee, daß überhaupt die Ethik die philosophische Funktion der notwendigen Selbstkritik aller Philosophie hat, in der diese ihre Geschlossenheit durch das Ausbleiben des Anderen unendlich in Frage zu stellen aufgefordert ist. Mag Levinas' Heidegger-Kritik in gewissem Sinne selbst sich auf einen Gedanken gründen, der Heideggers Idee der ontologischen Differenz verwandt ist, mögen ohne den Blick auf diese Idee die Streitfragen undeutlich bleiben, die jene Kritik aufwirft, es sind doch Fragen, die in ein Dunkel eindringen, das der „ontologischen” Aufhellung sich bislang entzogen hat
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