Ousia en deelhebbing: Aristoteles' opvatting over de identiteit

Tijdschrift Voor Filosofie 25 (4):706 - 778 (1963)
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Abstract

In zwei vorigen Artikeln haben wir erörtert, daß die Formel „das Seiende ab Seiendes” ausdrückt, daß die Metaphysik konstituiert wird, wenn man das Seiende gerade insofern betrachtet, als es it sich selbst identisch ist ; da jede Wissenschaft ihren Gegenstand in eine gewisse Identität zu fassen sucht, haben wir weiter festgestellt, daß die Identität des metaphysischen Gegenstandes eine erste Identität ist, dagegen die Identität des physischen und mathematischen Gegenstandes eine zweite Identität. Jetzt wollen wir die Identitätsauffassung des Aristoteles thematisch behandeln. Dabei gehen wir von zwei vorgefaßten Meinungen aus : 1) Die vielen Bedeutungen, die das Wort „ousia” bei Piaton hat, lassen sich offenbar dann verstehen, wenn man erkennt, daß die Grundbedeutung von „ousia” die Identität ist. Deshalb suchen wir nach der aristotelischen Ousia-auffassung. 2) Die enge Partizipationsauffassung des Boethius geht auf Aristoteles zurück : von Teilhabe kann erst dann die Rede sein, wenn etwas nicht auf Grund seiner Ousia ist was es ist. In der Metaphysik des Aristoteles unterscheiden wir zwei Phasen, und zwar in dem Sinne, daß die erste Phase in der zweiten erhalten bleibt. 1] In der ersten Phase bezeichnet Aristoteles die erste Kategorie als die Kategorie der Ousia. Und der Grund dazu ist dieser : die Substanz ist identisch mit dem, was sie wesentlich ist. Es ist daher nicht verwunderlich, daß sich sogar terminologische Parallelen nachweisen lassen zwischen Piatons Beschreibung der Idee und Aristoteles' Bezeichnungen der Substanz, ebenso wie zwischen Piatons Beschreibung des Wahrnehmbaren und Aristoteles' Bezeichnungen des Akzidentellen und des Akzidens. Aristoteles' Kritik an Piatons Ousia-auffassung hat folgenden Sinn : obgleich Piaton der erste gewesen ist, der den Terminus „ousia” über den täglichen Sprachgebrauch hinausgehoben hat, hat er doch nicht erkannt, daß etwas zunächst ist, was es wesentlich ist und erst dann, was es auf akzidentelle Weise ist, so daß das Akzidens in etwas anderem vorhanden ist : in der Ousia, die jetzt von Aristoteles zum erstenmal nicht nur als die Washeit, sondern auch als die Substanz und die Subsistenz verstanden wird. Daß das Seiende als Seiendes den Gegenstand der Metaphysik bildet, bedeutet in dieser Phase : dem Seienden als Seiendes kommt Identität zu, weil Sein heißt : Ousia - sein oder Zu - ousia - sein, und weil der Ousia eine erste Identität zukommt und alles andere der Ousia irgendwelche Identität verdankt. 2] Die zweite Phase setzt ein, wo Aristoteles entdeckt, dass auch die Substanzen entstehen und dass auch ihrem Werden „eine gewisse Natur” zugrunde liegt und dass auch diese „materia prima” mit Ousia zu schaffen hat. Seine Aufmerksamkeit gilt dann nicht länger primär dem Gegensatz zwischen der Substanz und den Akzidenzien, sondern dem Gegensatz zwischen dem Eidos, welches dies immer auch sein mag, und der Materie. Jetzt erkennen wir sogar terminologische Parallelen zwischen Piatons Beschreibung der Idee und Aristoteles' Bezeichnungen des Eidos, ebenso wie zwischen Piatons Beschreibung des Wahrnehmbaren und Aristoteles' Bezeichnungen der Materie. In dieser zweiten Phase zeigt es sich, dass unsere Kenntnis der Substanz ungenügend gewesen ist. Bisher hatten wir die Subsistenz, die Substanz und die Ousia miteinander identifiziert. Heute erkennen wir, dass die Materie in starkem Masze sub - stans, aber in swachem Sinne Ousia ist, und hieraus verstehen wir, dass die Ousia nicht die Substanz ist, sondern dass die Substanz Ousia genannt werden darf, dass sie auf diesen Titel aber nicht die ersten Rechte geltend machen darf. In der zweiten Phase zeigt sich besonders, dass das Eidos früher ist und mehr ist als die Materie und als das Ganze aus Eidos und Materie. Zunächst ist Ousia dasjenige, mit dem das Seiende in erster Instanz identisch ist. Als solche nun bezeichnet Aristoteles : die zehn Kategorien als die Verteilung des Seienden χαϑ αύτό. Sie sind „die ersten” und mit ihnen ist das Seiende so fort identisch. Sie bilden daher den eigentlichen Gegenstand der Metaphysik : die wahren Ousiai-ohne-Materie. Von der Metaphysik sind nur die logischen Akzidenzien auszuschliessen. Das Andere-als-das-Eidos, die Materie, schafft denn auch Distanz zwischen dem Seienden und seinem Wesen. Gleichwohl ist die Identität des materiell Seienden eine wesenhafte Identität, da Materie und Eidos sich zueinander verhalten als Vermögen und energeia. Dem Aristoteles verdanken wir die Einsicht, zu der Platon in den klassischen Dialogen nicht gelangen konnte : dass auch das Zusammengesetzte eine echte Identität besitzen kann. Im Zusammengesetzten bleibt die Materie, als nicht in-energeia, jedoch der Abstand zum Wesen : deshalb musste dieses Seiende zum Entstehen kommen und wird es einmal vergehen. Die Einseitigkeit dieser Behauptung bedarf aber einer Korrektur : die Materie ist, als in-Vermögen, zugleich auch das Bestreben nach Überbrückung dieses Abstandes. Die Aktivitäten und die Passivitäten des Seienden dienen daher dem Zweck, dass das Eidos im Seienden in ein helleres Licht gerückt und die Finsternis der Materie besiegt werde. So betrachtet, zeigt das Eidos – das aus sich heraus weder ein allgemeines noch ein besonderes ist – eine gewisse Ähnlichkeit mit Piatons Idee und könnte man von der (immanenten) „Art-Idee” sprechen, wenn man sich wenigstens über den Inhalt dieses Terminus einig werden könnte. Im Gegensatz zu der Materie und dem Eidos bilden das Seiende und seine logischakzidentelle Eigenschaft nie eine echte Identität. Da seit Platon von Teilhabe die Rede ist, wenn ein Seiendes nicht auf Grund seiner Ousia ist, was es ist, kann Aristoteles meinen, dass das Seiende durch Teilhabe dasjenige ist, was es auf logisch-akzidentelle Weise ist. Unsere im ganzen Artikel zerstreuten kritischen Betrachtungen möchten wir wie folgt zusammenfassen : 1) Was die erste Phase betrifft : Das Seiende ist mit dem, was es wesentlich ist, nur dann identisch, wenn man unter „dem Seienden” versteht : das Subsistente nach seinem Wesen, das ist : das Seiende, das das Subjekt des definitorischen Urteils ist. Oder : Aristoteles hat für das individuelle Subsistente, das als solches das letzte Subjekt jeder Aussage ist, nicht den richtigen Blick gehabt. Damit hängen seine „leere” oder „logische” Auffassung vom Sein sowie der Doppelsinn des Terminus „ousia” (der sowohl des Substantielle als auch die Substanz und das Wesen ausdrückt) zusammen. 2. In der zweiten Phase, die vielleicht noch mehr als die erste auf dem definitorischen Urteil beruht, entfernt sich Aristoteles noch weiter von dem unwiederholbaren individuellen Seienden. Deshalb kann er die Identität des Seienden nicht in dem Sein als Seinsakt begründen, sondern sucht er sie in dem Eidos, und bleibt das Verhältnis vom Seienden zu seinem Eidos letzten Endes problematisch

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