Ethik in der Medizin 24 (3):193-205 (2012)

Abstract
ZusammenfassungEin Argument gegen die ärztliche Beihilfe zum Suizid lautet, Patienten könnten sich um Suizidassistenz bemühen, weil sie sich als Belastung empfinden. Dabei wird die Selbstbestimmtheit eines so motivierten Todeswunsches in Frage gestellt. Ist dieses Argument überzeugungskräftig? Empirische Daten zeigen, dass die ärztliche Beihilfe zum Suizid auf der Grundlage dieses Motivs den ethischen Prinzipien der Sorge um das Patientenwohl und des Respekts vor der Autonomie des Patienten nicht widersprechen muss. Denn das Empfinden, anderen zur Last zu fallen, kann trotz adäquater palliativmedizinischer Betreuung wesentlich zu einem Leidensdruck am Lebensende beitragen. Zudem ist dieses Motiv eng verknüpft mit der Sorge um das Wohl der Angehörigen, die einer erheblichen Belastungssituation ausgesetzt sein können. Da aber das Wohlergehen der Familie zu den elementaren Werten von schwerstkranken Patienten am Lebensende gehört, kann der Wunsch nach ärztlicher Beihilfe zum Suizid auch auf der Basis dieses Motivs Ausdruck eines selbstbestimmten Patientenwillens sein. Andererseits korreliert das Empfinden, anderen zur Last zu fallen, mit einer depressiven Verstimmung. Dieser Zusammenhang ist deshalb relevant, da bei depressiven Störungen eine Einschränkung der Selbstbestimmungsfähigkeit vorliegen kann. Vor diesem Hintergrund sind Zweifel an der Selbstbestimmtheit eines so motivierten Sterbewunsches durchaus begründet. Aufgrund des bestehenden Wissensdefizits bei der Feststellung der Selbstbestimmungsfähigkeit ist die Mitwirkung des Arztes bei einem so motivierten Todeswunsch daher ethisch fragwürdig.
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DOI 10.1007/s00481-011-0148-6
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